Brathendl, Haxen, Ochsenbraten oder Weißwurst: Das Essen auf dem Oktoberfest ist deftig, traditionsreich und eng mit der bayerischen Wirtshausküche verbunden. Doch nicht alles, was heute auf der Wiesn serviert wird, stand dort schon immer auf dem Speiseplan. Einige Gerichte kamen erst im Laufe der Zeit hinzu, andere spiegeln aktuelle Ernährungsgewohnheiten wieder. Wir zeigen Ihnen, was traditionell auf dem Oktoberfest gegessen wird, woher die kulinarischen Bräuche stammen und welche moderneren Gerichte dort inzwischen ebenfalls ihren festen Platz gefunden haben.
Entstehung und Herkunft des Oktoberfestes
Das Münchner Oktoberfest, in Bayern oft schlicht „Wiesn“ genannt, geht auf die Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Oktober 1810 zurück. Zum Abschluss der mehrtägigen Feierlichkeiten fand am 17. Oktober ein großes Pferderennen auf einer Wiese vor den Toren Münchens statt. Das Fest wurde wiederholt, 1819 übernahm die Stadt München die Organisation. Die Festfläche erhielt zu Ehren der Braut den Namen Theresienwiese. Aus dem Pferderennen entwickelte sich über Jahrzehnte das Volksfest, wie es heute bekannt ist.
Was wird traditionell auf dem Oktoberfest gegessen?
Typische Mahlzeiten auf dem Oktoberfest sind vor allem herzhafte Fleischgerichte. Sie passen zur bayerischen Fest- und Wirtshausküche und lassen sich auch für viele Gäste in großen Festzelten zubereiten.
Zu den bekanntesten Wiesn-Spezialitäten gehören:
- Schweinshaxe: kräftig gewürzt, mit knuspriger Kruste und häufig mit Knödeln oder Krautsalat serviert
- Ochsenbraten: langsam gegartes Rindfleisch, als Tellergericht oder in der Semmel
- Weißwurst: traditionell mit süßem Senf, Brezn und häufig am Vormittag gegessen
- Wurstsalat: eine kalte Brotzeit aus Wurst, Zwiebeln und einer Essig-Öl-Marinade
Daneben gehören auch Würstchen, Leberkäse, Steckerlfisch, Obatzda, Radi, Brezn, Knödel und Kraut zum bekannten Angebot. Süße Speisen wie Kaiserschmarrn, Apfelstrudel oder gebrannte Mandeln ergänzen die deftigen Gerichte.
Woher kommen die Essensbräuche auf der Wiesn?
Oft wird angenommen, dass die typischen Wiesn-Gerichte schon immer zum Oktoberfest gehört haben. Tatsächlich sah das erste Fest im Jahr 1810 jedoch ganz anders aus, denn im Mittelpunkt standen das Pferderennen und die Feierlichkeiten zur Hochzeit. Große Bierzelte und das heutige Essensangebot kamen erst nach und nach hinzu.
Mit der Zeit wurde das Fest immer größer – und damit auch der Hunger der Besucher. Es brauchte also Gerichte, die satt machen, gut schmecken und sich in großen Mengen zubereiten lassen. Genau hier kommt die bayerische Wirtshausküche ins Spiel. Haxen, Würste, Kraut, Knödel und Braten waren ohnehin beliebt und ließen sich gut für viele Gäste gleichzeitig kochen.
Manche Klassiker sind dabei jünger, als man denken könnte. So eröffnete die erste Hendlbraterei beispielsweise erst 1881. Im selben Jahr wurde außerdem erstmals ein ganzer Ochse auf einer speziellen Vorrichtung gebraten, was damals als echtes Spektakel angekündigt wurde. Daraus entwickelte sich die bekannte Ochsenbraterei, die heute fester Bestandteil des Oktoberfests ist.
Und auch neuere Ideen haben ihren Platz gefunden. So gibt es die Ochsensemmel etwa erst seit 1983, doch heute gehört sie für viele genauso selbstverständlich dazu wie die „alten” Klassiker.
Welche Speisen kamen im Laufe der Jahre neu dazu?
Das Angebot an Essen auf dem Oktoberfest hat sich mit den Erwartungen der Besucher weiterentwickelt. Neben traditionellen Fleischgerichten finden Sie dort heute auch vegetarische und vegane Varianten, internationale Einflüsse sowie modern interpretierte Festgerichte.
Dazu zählen etwa vegane Leberkäse-Burger, Erbsenschnitzel, Soja-Steaks, Quinoa-Gerichte, Currys oder pflanzliche Aufstriche. Diese Angebote sind natürlich keine historischen Wiesn-Speisen, gehören inzwischen aber zum vielfältigen Essensangebot des Oktoberfests.
Auch manche Gerichte wirken traditionell, sind in ihrer heutigen Form jedoch vergleichsweise neu. So verbinden beispielsweise Burger mit Ochsenfleisch, modern angerichtete Brotzeiten oder kreative Knödelgerichte bayerische Zutaten mit aktuellen Küchentrends. Gleichzeitig bleiben Brathendl, Haxe, Ochsenbraten, Weißwurst und Wurstsalat die prägenden Fleischklassiker.
Fazit: Wiesn-Küche zwischen Tradition und Wandel
Das Essen auf dem Oktoberfest ist vor allem durch die herzhafte bayerische Festküche geprägt. Viele bekannte Speisen stammen aus der regionalen Wirtshauskultur, wurden aber erst im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zu festen Bestandteilen der Wiesn. Heute treffen diese Klassiker auf vegetarische, vegane und international inspirierte Angebote. So bleibt das Oktoberfest kulinarisch seinen Wurzeln verbunden und entwickelt sich zugleich weiter.